Menschheits- und Bewusstseins-Entwicklung

Menschheits- und Bewusstseins-Entwicklung
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Die Entwicklung der Menschheit vollzieht sich in gewissen Epochen. Dies wird in diversen Weisheitstraditionen berichtet und von heutigen Denkern systematischer erforscht. Des Autors vorrangige Terminologie ist aus den Beschreibungen von Rudolf Steiner entlehnt, es geht dort um "Kulturepochen" und der Schritt der sich in unserer heutigen Zeit kondensiert vollzieht, ist der von der sogenannten "Verstandes- und Gemütsseele" zur "Bewusstseins-Seele".

Hier soll versucht werden, dies aus meiner Auffassung kurz zu umreissen.

Gemüts- und Verstandes-Seele

In den vergangenen circa zweitausend Jahren, gelangte (der Durchschnitt was das Bewusstsein betrifft) der Menschen zu der Fähigkeit von den Verstandeskräften Gebrauch zu machen; Sie wurden praktisch angewandt, die Techniken im Umgang mit der Materie entwickelten sich, und seit der Zeit der Renaissance auch die Wissenschaften, die reflektiert die Handhabung des Verstandes gebrauchen.

Bewusstseinsseele

Die Bewusstseinsseele nun kann man dann als am Erwachen bezeichnen, wenn ein Mensch nach gewissen Wahrheiten sucht, die einen ewigen Charakter haben, einen höheren Ursprung, das "Wahre, Schöne und Gute", als die drei Attribute die der Wissenschaft, der Kunst und der Moral entsprechen. Dieser Schritt ist insofern groß, da man vom Äußeren sich in die Innenwelt bemühen muss, das eigene Ich als Erkenntnisorgan einem bewusst wird, graduell zu verstehen - das man erkennt, dass die Naturgesetze beispielsweise, oder auch ethische Grundlagen, etwas dass alle Menschen als gültig erkennen könnten - deswegen von universeller Gültigkeit ist und man deswegen teilhaben kann, da man selbst an der geistigen Quelle teilhat (Sorry das war etwas verklausuliert formuliert, bei Gelegenheit werde ich das neuschreiben).

Übergang und kritische Masse.

Es handelt sich bei diesen Betrachtungen, der transition der Menschheit ja um den statistischen Durchschnitt, erkennbar im öffentlichen Raum, wo eine Vielzahl von Menschen ihr Verhalten miteinbringen. Wie in einer Gausschen Verteilungskurve sind ein Teil der Menschen in der Entwicklung weiter und umgekehrt. Wenn die kritische Masse, eine hoher Prozentsatz sich der Stufe der Bewusstseinsseele annähert, so treten eben die Symptome auf, dass die noch gültigen Regelungen, Institutionen, Verhaltensweisen etc. der bisherigen Ebene noch in Kraft sind und die neuen Kräfte sich daran beißen, so dass es zu Symptomen kommt die auf allerlei Ebenen sich problematisch zeigen.

Dissoziation

Dies würde man als Dissoziation bezeichen, hier der Bezug zu der konzeptuellen These der integralen Theorie; Das nächste Holon, das übergeordnete Holon mit mehr Tiefe inkorporiert das Alte; Dieses bleibt bestehen, es kann weiter Gesellschafts-systeme geben, die nichts vom neuen wissen wollen, jedoch wird das Neue sich weiter etablieren.

Das kommende Holon, was den unteren rechten Quadranten betrifft, würde man als einen Sozialen Organismus mit zu stärker werdenden Aspekten der gelebten Dreigliederung. Da diese nicht unbedingt in Strukturen sichtbar und messbar werden muß, sondern in Menschen wie uns gelebt wird, so ist hier ein qualitativer Sprung, der in herkömmlichen soziologischen Maßstäben nicht erfassbar ist, vielmehr muss er von Individuen als Schulungsweg beschritten werden, also mit Methoden, wie sie zum Beispiel Steiner schildert, z.B. Meditation, Achtsamkeitstraining, Übungen zur Selbstbeherrschung uvm.

Integration

Schließlich gelangen wir über die Zeit zu einer fortschreitenden Bewusstwerdung, mal vorausgesetzt die Kollateralschäden die das Tun der Menschen als Ganzes verursacht, halten sich in einem gewissen Bereich. Damit meine ich auch eben neu erzeugtes Karma untereinander. Wobei das hier wieder (m)eine rationale Erkenntnis und Vermittlung übersteigt.

Flo Mo., 15.10.2018 - 18:20
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Dissoziation und Symptome

Gespeichert von Flo am Mo., 17.12.2018 - 12:31

Symptome sind immer unser aller Symptome, auf dem Weg in die volle Integration zur nächsten Weltepoche.

Vorher war die Menschheit was das Soziale betrifft, das Gestalten des Zusammenlebens in den aus geistigen Welten gesteuerten unbewussten Zuständen. Der Einzelne erwachte langsam in eine Verstandes-Seele und so fort.

Mit dem Erwachen in die volle Bewusstheit treten viele einzelne Individuen in einen Zustand der Bewusstseins-Seele ein, und damit wird das vorher durch Überliefungen geregelte Zusammenleben in Frage gestellt aus der Bahn gebracht.

Diese Dissoziation der Menschheit ist etwas Ganzes, ist ein Phänomen dass global ist, die Symptome zeigen sich für den Einzelnen, für die Ratio, für die Gruppen der Menschheit mit ihren Weltsichten in vereinzelten Punkten, in vielen scheinbar unzusammenhängenden Einzelsymptomen.

Die Symptome als solches sind nicht gleichbedeutend mit krank ...

Sie sind schlicht Hinweise darauf was als nächstes zu tun ist.

Hier der Hinweis der Parallele zu der "Art" Mensch der aus den gewohnheitsmäßigen Strukturen herausgeworfen wurde, durch die innere Transformation, der bewusst erkennen muss und will was er jeweils tut - über den Tag - von Minute zu Minute, im kommenden Moment.

Babylon - Das zu transzendierende

Babylon - Das zu transzendierende
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Babylon, Symbol für was??

Diesen Begriff aus der Geschichte habe ich hier gewählt, da er für mich persönlich am griffigsten ist und mir gefällt als Sammelbegriff, als Arbeitstitel.

Worum soll es in diesem Kapitel gehen?

Um eine Charakterisierung der Phänomene, die sich dem handelnden Individuum als gegnerisch präsentieren.

Sie sind schwer zu überwinden, so sagt der Verstand. Man bezeichnet sie als System, als Bayblon in der christlichen Terminologie, und als Hauptbegriff der Rastafaris.

Die Anthroposophie kennt zwei Wesenheiten, die als Widersachermächte bezeichnet werden. Das Gleichgewicht zwischen beiden zu wahren ist die Tugend und das Heil.

Diese Gegebenheiten oder scheinbare Gegebenheiten zu charakterisieren soll hier angestrebt werden,. Um die Beschaffenheit der Welt, des eigenen Lebens, und des eigenen Inneren besser zu verstehen.

Die Ebene des Bewusstseins, im Hier und Jetzt, im Menschen

Babylonische Phänomene entstehen in der Interaktion zwischen zwei (oder mehr) Menschen. wenn die beiden Weltsichten sich in Punkten überlagern und die Bewusstheit nicht in einem Maße da ist, beide Geistesinhalte zusammengenommen.

Auch kann man sie als kollektive Illusion ansehen.

Wie können diese Mechanismen, die kollektiven Konstrukte abgebaut werden. Also transzendiert werden im Zusammenspiel miteinander, zwischen Menschen, in der Kommunikation. Dies ist das total spannende Thema und die Herausforderung per se.

Gibt es künstlerische Methoden, in Gesprächsführung, in performance, schauspielerisch im Alltag??

Dies mal so als anfänglichen Entwurf zum Thema.

Diese Forschung soll hier noch erweitert werden. Beiträge und Zusammenarbeit sehr erwünscht!

to be continued

Flo Mi., 12.12.2018 - 23:45
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Babylon - woher und wohin?

Babylon - woher und wohin?
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Die Entfremdung Babylons - woher kommt sie?

Wie entstehen sie, diese Illusionen? Woher kommen sie?? Gab es sie schon immer??

Sie gehen einher mit der Entfremdung vom Substantiellen, der Welt. Das Wort, die Wissenschaft, die Kunst, so ziemlich alles, das Geistesleben, die Religion wurden zur Ideologie. Es ist da einmal diese geistesgeschichtliche Wahrheit, das Zurückziehen des geistigen Ursprungs, seit jeher, seit dieser Weltepoche, um den Menschen in die Freiheit, zu entlassen, dies berichten die Weisheitstraditionen; Und seit der Reformation, seit ein paar Jahrhunderten, ist eine Epoche angebrochen in der der Intellekt und die Bindung an das Materielle so stark geworden ist und der Mensch durch die technischen Fähigkeiten in eine Sphäre eingezogen ist, so dass eine Schicht der Menschen erst vollends in die Entfremdung von ihren eigenen Erzeugnissen von ihrer Lebenswelt vorangeschritten ist.

Nun sind wir alle Nachfahren dieser Menschen. Vorletztes Jahrhundert gab es wohl noch herrschende Eliten, die tief in geistiger Tradition verwurzelt waren, die nicht abtrünnig waren eines geistigen Ursprungs, doch inzwischen haben sich diese rein vom gedanklichen her übertragen, so vermischt mit dem Rest der Welt, mit all den damals sogenannten Proletariern, so dass selbst die alten Familien die die Welt führend durch die industrielle Revolution führten, nun ideologisch verbrämt sind und heruntergestiegen sind ins ideologische.

Ja ist denn noch was zu retten??

Ja, klar. Die Transzendierung war immer wieder in Individuen am Start, sie tritt in Einzelnen auf, jedoch völlig unberechenbar von sozialer Herkunft und Status und ob diese es vorher wissen können oder nicht. Es ist selbstverständlich karmisch begründet und mit dem Bestreben des einzeln das er sie im jetzigen und seinen vergangenen Leben an den Tag gelegt hat.

Der Einzelne, kann durch seine Erweckung, durch den Schulungsweg zu der Einsicht kommen, wie die Geschichte seiner Ahnen und ihn in fortwährender Sozialisation stets immer zur Entfremdung geprägt hat. Wie es ein sich selbsthaltendes System ist, dass sich durch Unwissenheit und Mangel immer weiter fortpflanzt. Dies ist Teil der unfassbaren Welten-Weisheit, dass heißt es muss so sein, es ist essentieller Bestandteil des schöpferischen Geist der das Weltgebäude durchzieht.

Wäre es anders, was im Endeffekt gar nicht denkbar ist, man kommt mit der Überlegung nämlich gar nicht weit, so könnte es kein Wachstum im Menschen geben, keine seelische Reifung, kein Weiterkommen, keinen freien Willen, also keine Bewusstheit, dass man als Mensch erahnen kann den Weltengeist und sich als Ebenbild des Geistigen erkennen könnte. Dass heißt entweder gäbe es keine Menschen oder ein anderes Wesen wäre der Mensch, würde so genannt werden, und damit gäbe es doch wieder Menschen. :)

Also es ist Teil der Weltentwicklung und es ist Ziel der Schöpfung ein Ebenbild des Geistes in inkarnierter Form, im physisch manifestierter Form "herauszubringen" , zu releasen, um selbst sich zu erkennen.

Dies ist beruhigend, und diese Einsicht kann großen Frieden bedeuten. Da man ja sonst verzweifeln könnte, sich undenkliche Sorgen machen könnte um die Menschheit, den Planeten, damit um die anderen Wesen, Tiere vor allem, Pflanzen sind ja nicht seelischer Natur und haben damit eher weniger Mitgefühl, aber der Mensch kann sich dass für sie ja auch erwecken und falsch ist das sicher nicht. :-)

Mitgefühl und Mitleiden

Ja denn mitfühlend sein zu können mit der Welt mit all ihren Wesen und so weiter ist durchaus dem Menschen mitgegeben, es ist per se potentiell Teil seiner Natur. Und die Verwirrung auf der Welt zu spüren und sie einfach tragen zu können, zu müssen, da man nun mal die Erkenntnis hat und so weiter. Ja dies wäre wohl unter anderem - jedenfalls auf einer Ebene unter dem "Leid Christi" gemeint. Es besteht darin, diese Verwirrung zu spüren und doch adhoc nicht annähernd das zur Überwindung tun zu können, was der Intellekt oder der Verstand sich ausmalt, an Methoden um es zu können. So wie ein Kind oder jede andere vestandensbegabte Person Macht und Entscheidung hat über sein Spielzeug und seinen Haushalt etc. Man kann Ort, Zusammenstellung, Benutzung, Erschaffung und Zerstörung und so weiter selbst bestimmen, es unterliegt vollkommen der eigenen Willkür. Nur begrenzt durch die zur Verfügung stehende Zeit und den Raum, in dem man sich ja bewegen muss. Und darf.

Auf Weltebene, im Organismus des Sozialen, ist das völlig anderer Natur - wir sind Teil, wir gestalten mit durch unser tägliches Auftreten und unsere Ausstrahlung, jedoch haben wir viel mehr zu erleben, mit zu leiden und so oft als dass wir ändern können.

Zumindest gibt es einen Teil, der Menschen die dies so empfinden. Diese Menschen müssen Bestärkung bekommen, sie müssen sich selbst suchen und ihren spirituellen Weg finden.

Wem es nicht gelingt, zeitweise oder für immer, der wird Symptome bekommen, es werden Symptome auftreten so dass er seine geistige Zurechnungsfähigkeit, seine geistige Identität, sein Ich verliert.

Auf diese Menschen bei denen es so gegangen ist kann man dann den Ungeist die Verwirrung der Welt projizieren; Diese Projektion, dies ist die kollektive Tat der Menschen die jeweils Tag für Tag, immer ein kleines bisschen oder auch mehr leichtfertig mit ihrem Leben mit ihrer Zeit und mit ihren Kräften umgehen, Dies erhält den kollektiven Irrtum aufrecht, mehr als man ihn eigentlich aufrecht erhalten müsste.

Überwinden... Bekämpfen? - Was heißt es zu transzendieren?

Was tun wir nun?

Ja wir klären jedenfalls auf, dass ist aber bei weitem nicht ausreichend. Viel mehr ist es gefährlich aufzuklären in einer Zeit in der schon sehr viel Aufklärung in den Medien ihre Plätze eingenommen hat.

Dies wesentliche ist, das man konkret sozial gestaltend arbeitet, im künstlerischen, also Menschen zusammenbringt, seine Gemeinschaftsbildung betreibt so dass diese Themen in freiem Geistesleben miteinander geteilt werden können und durch das konkrete Leben gleich in die Sphären des Rechts und der Wirtschaft mit eindringen können. Das ist das Essentielle. diese Arbeit ist dann die nachhaltige Arbeit. Dass sind so ungefähr die Kernpunkte das ist das wesentliche um was es hier gehen soll.

Dass um was es im wesentlichen auf dieser website namens "Selbst-Sozial-Transformations-Kunst" gehen soll.

Flo Do., 13.12.2018 - 15:27
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Babylon III - ursächliche geistige Kräfte?

Babylon III - ursächliche geistige Kräfte?
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Das wird ein richtig hässliches Kapitel. Momentan bin ich nicht sicher ob ich hier wirklich schreiben will heute.

Die „Quelle“ Babylons?

Es geht, soll hier darum gehen, die Irrtümer und die Abwege der Menschheit in ihrer übelsten Form kennenzulernen, sich damit auseinanderzusetzen. Um letzten Endes dann, wenn man zufällig damit konfrontiert wird, keine Angst mehr zu haben, ruhig bleiben zu können und Ich-Stärke zeigen zu können.

Es sind hier wohl die ganz großen schlimmen Dinger auf der Welt zu erwarten, dass das hier geschildert wird. Es sind aber auch die scheinbar einfachen kleine Ursprünge.

Da gibt es dieses Sprichwort: „Der schlaueste Schachzug des Teufel war es, die Menschen glauben zu machen es gäbe ihn nicht.“

Da muss man weiter ausholen…

Das essentielle Prinzip hinter der ganzen Dramatik, wenn man zwischen Menschen diskutieren hört und in den Medien sich die großen Themen anschaut ist, dass oft oder so gut wie immer sich nicht darüber verständigt wird, welchen geistigen Hintergrund die beteiligten Menschen haben. Dass heißt zuerst einmal: ob sie überhaupt einen geistigen Hintergrund haben.

Dass heißt, man muss eben ein wenig jenseits der verbalen und der rationalen Ebenen schauen, ist in dem Menschen, ist in mir, ist in der Gruppe prinzipiell da etwas da was man als Glaube an eine geistige Welt bezeichnen kann, gibt es ein Wissen darum, eine innere Gewissheit?!

Glaubenserfahrungen haben viele Menschen; Sie sind jedoch in die Privatheit abgedrängt worden, sie halten sie für ihre eigene persönliche Sache und denken nicht, dass es auf sie ankommt, und dass diese Erfahrung die tatsächliche globale kosmische Realität darstellt.

Dies ist einfach die essentielle Dramatik. Geht man von geistigen Gesetzen aus oder geht man nicht davon aus, damit ist gemeint dass man in nicht tragfähiger Weise davon aus geht!

Hier erstmal zu der Wirkung, die zu dem was sich dann zeigt wenn man thematisch große Themen behandelt. Dass es Missstände auf der Welt gibt, und wie man drüber redet, wie man die Suche nach Beseitigung anstellt, da ist ja dann die Frage der Verursacher, die nahe-liegt. Bzw. wer alles an Menschen, Gruppen, Organisationen sie beseitigen könnte, wer bereit daran arbeitet, und dann eben die Frage, der nächste Gedankenschritt, wer eben sie dran hindert!?

Und hier ist die Crux - wenn man geistige Kräfte nicht kennt, so kann man ja nur zu der Schlussfolgerung gelangen dass es gewisse Zentrierungen von Mächten gibt, die gezielt etwas in der Richtung tun dass diese Vorgänge, die wir hier als Missstände wahrnehmen, sich ausbreiten, sich festigen.

Dass seien Vorgänge die versuchen Menschen ungleich zu behandeln, sich in regierender Weise über andere zu stellen, mit all den Maßnahmen dass es so bleibt oder sich festigt.

Zu dieser Anschauung muss man dann ja gelangen und damit ist dann gewissermaßen ein Feindbild da. Und bei der Tätigkeit Feindbilder zu pflegen und auszuschmücken geht ja auch unglaublich viel Energie verloren, also psychische Energie die dazu genutzt werden könnte, sich kreativ hier in der eigenen Umgebung etwas aufzubauen. Mit anderen an realen sozialen Beziehungen und Gemeinschaften im Sinne unserer ganzen SSTK-Message hier tatsächlich transformativ zu wirken;

Die Frage stellt sich oft gar nicht, gewissen Menschen wie man diese Personen oder Gruppen innerlich erreichen könnte und sie mit den gütigen und wahrhaftigen Impulsen impfen könnte, so dass sie ablassen von ihren Untaten, was auch immer diese sind.

Die Tätigkeit, das eigene Engagement um hier vorzugehen, wie sieht es dann nämlich üblicher Weise aus?? Es ist prinzipiell ja ein Kampf. Es ist der große ehrenwerte tolle Kampf scheinbar, Und er wirkt sich ja oft sehr rasch im eigenen Leben aus, und zwar so, dass er einen selbst vergiftet. Man nimmt vermehrt nur noch Auswirkungen wahr, die daraus resultieren dass man vermehrt diese Aspekte wahrnimmt. Und darüber redet. Der Bezug zum tatsächlichen eigenen Leben ist ja gar nicht vorhanden, es hat mit einem selbst nichts zu tun.

Was wird weiterhin getan, wenn man sich hier engagiert? Es wird aufgeklärt, es wird informiert, also Informationen verbreitet. Dies in einer Weise zu tun, so dass nicht Menschen überfrachtet werden, überfordert werden. sondern auch zu einer gewissen Handlungsfähigkeit gelangen ist ja ein sehr diffiziles Unterfangen. Dazu müsste man in einigen Kreisen persönlich in Ruhe mit Menschen ins Gespräch kommen. Wer so was unternommen hat wird dann sehr schnell feststellen dass wenn man mal diese Grundlagen legt, dass sich Menschen so begegnen können, dass heißt wenn man solch einen Rahmen schafft, dann werden die Gespräche und die Themen sowieso durchaus total positiv und auf reales bezogen was die Menschen hier im Jetzt tun wollen. Man kann dann gar nicht mehr die „Weltbösheiten“ erörtern.

Also wird man ja gar nicht diese ruhigen Wege gehen. Sondern man ist da wo man gewissermaßen zufällig ist als heutiger Mensch, wie z.B. an seinen sozialen Medien und bei Partys und wo sonst noch Menschen sich rasch an vielfältigen Themen im politischen und verwirrten Zustand der heutigen Menschheit austauschen.

Und eben bei dieser Art von Vorgehen wird ja gar nichts dabei rumkommen, Informationen sind sowieso da, man braucht sie nicht verbreiten, beim Sprechen ist der eigene Geist immer auf einer rationalen Ebene, man wird eher von all den hochtrabenden Information auf eine luziferische Ebene gehoben, dass heißt dass man aus scheinbarer Sicht eines Gottes über all die Dinge Bescheid weiß.

Und die Seele?? Ja gibt es denn überhaupt?? Ja die Seele, sie kommt da nicht mehr mit, sie steckt in der Ecke in der eigenen Brust und jammert und zuckt, denn sie spürt die Angst und Sorgen, es kann ja nur so sein, ich schreibe dass jetzt mal weil ich mich gerade in die Seele hineinbegebe - also wenn ich da drüber gesprochen hatte, habe ich irgendwie ja doch gar keine Angst verspürt komischerweise - früher, heutezutage merke ich das schon viel eher, das zeigt sich daran dass ich merke ich mag jetzt nicht diese belastenden Themen gerade hören sondern eben dass was sich vielleicht noch in der Umgebung anbietet z.b. der Musik auf der Party zuhören in etwa.

Also so in etwa lautet das Ganze dass ich hier mitteilen will.

Transformativ aber wie?

Dass wir dann nämlich zu den großen Fragen kommen können, wenn wir in unserer Nähe, wenn wir in unserer Umgebung eine Grundlage geschaffen haben, uns so gut kennengelernt haben dass wir sagen können aus welcher Bewusstheit, aus welchem geistigen Hintergrund agiert, spricht hier ein Mensch mit dem anderen.

Und da gibt es ja dann die multiplen Zusammensetzungen an den Entwicklungslinien wie im Kapitel über die integrale Theorie erläutert. Menschen auf verschiedenen Bewusstseinsebenen mit verschiedenartigem Verständnis für die weltlichen und die geistigen Dinge. Und in jedem stecken die Kräfte und Gaben, in einer harmonisierenden Weise in der Welt zu wirken, keiner ist weniger mächtig ale der andere im Prinzip. Also niemand ist dafür herabzuwürdigen wenn seine Ebene eine vorhergehende der anderen ist. Wer eine mythologischen Sicht auf das Geistige hat, ist nicht weniger wert als jemand der hellsichtig die geistigen Gesetze kennt bis aufs i-Tüpfelchen.

Bei wem nichts geistig tragfähiges da ist, weil er in diesem seinem Leben vielleicht es endlich geschafft hat eine „ererbte“ weltliche und verkommene Ausformung einer kirchlichen Lehre über Bord zu werfen und ihm dass erstmal reicht so ist dass durchaus okay. Und er wird auch wunderbare Beziehungen haben und man/ich werde mit ihm sicher in vielerlei Hinsicht zusammenarbeiten können.

Aber mit diesem Menschen werde ich nicht, oder sagen wir nicht in dieser geistig forschenden Weise wie ich es hier tue über die Weltgeschichte reden wollen. Es würde in Plattitüden hinauslaufen, die Entwicklungen was an Skurrilitäten abläuft auf unserem Planeten würde er mit den üblichen Gedankengängen und Sprüchen bedenken. Mein Wesen gerät bei so was rasch in den Hintergrund und mein Wirken würde da abgeschnürt.

Vielerlei andere Situationen und Menschen sind denkbar bei denen es nicht so klappt, in denen man nicht auf der selben Wellenlänge liegt und so weiter;

Ist Verständigung möglich??

Also, wie sind die Dinge die ich hier unter dem Arbeitstitel Babylon ab-handele nun im gesamten zu verstehen? Jetzt da ich den Text nach einer Weile wieder aufnehme, kehren meine Gedanken nochmals an den Anfang bzw. ich lese mir es nochmal von vorne durch und sehe dass es zu der schlimmen Charakterisierung die ich anfangs „befürchtete“ noch gar nicht gekommen ist.

Vielmehr fand ich das bisher ganz konstruktiv und erhebend; Eine gute Basis um im nächsten Kapitel sich dem „abgrundtief bösem“ anzunähern. Zückt das Schwert !!!

Hier ging es ja nun viel mehr darum, mal platt gesagt, gibt es einen Teufel? Und was machen die die ihn kennen mit denen die ihn nicht kennen und umgekehrt? Nun ja das war ja schon sehr platt. - Also niemand ist allwissend. Das würde man ja auch gar nicht aushalten...

Nein, es sollte hier darum gehen, dass man zu der Erforschung warum diese und jenen Dinge in der Welt passieren durchaus einen gewissen Weg zu gehen hat bevor man leichtfertig Urteile fällt. Und dass man auf sich und sein Leben und seine Liebsten besser schauen sollte bevor man seine kostbare Zeit und Kraft einem Kampf opfert den man noch nicht überschauen kann.

Und was kann man überschauen?
In die Welt schauen heißt in sich selbst sehen - und umgekehrt, in sich selbst kann man die ganze Welt entdecken. Dies alte Weisheit kann einen anleiten, die Gründe Babylons dort zu suchen, wo sie entstehen, wo die geistigen Kräfte die zum einen die Menschen zu sehr über sich hinaus heben oder zum anderen zu sehr ins materiell-kalte-intelligente hineinziehen in unausgeglichener Weise in Menschen wirken. Menschen die es nicht mehr schaffen sich auf sich selbst zu beziehen, die aus dem seelischen Gleichgewicht gekommen sind und ihren psychischen Gaben in nicht förderlicher Weise verwenden und andere Menschen damit beeinflussen. Sie sind sich in der überwiegenden Zahl gar nicht dessen bewusst.

Aber die Kumulation, die Verkettung all dieser Kräfte und Wirkungsweisen, sie ist es die Babylon darstellt, es beständig neu erschafft.

Nun ja, das ist mein Bild, die Anschauung die mir liegt. Es ist eine Deutung, es gibt wohl noch andere Ebenen die mir noch nicht bekannt sind. Und ein jeder ist wichtig in seiner Erkenntniskraft dies aus eigenen Seelenkräften immer wieder neu zu beschreiben. Ein jeder nach seiner Facon, in Gedanken, Gefühlen, Wort und Tat, als Künstler, Denken, Aktivist oder wie auch immer.

Danke!! - Ich danke Dir, dass Du mit deiner Aufmerksamkeit und Achtsamkeit Dich gerade den Fragen der Welt widmest!!

Flo Di., 18.12.2018 - 16:21
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Die geheiligte Stadt Zion / Weltgemeinschaft

Die geheiligte Stadt Zion / Weltgemeinschaft
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Es ist die quasi Babylon entgegengesetzte geistige Kraft oder geistiges Prinzip; Es sind die Aspekte die Bewegungen im zwischenmenschlichen, im größeren sozialen Kontext die auf ein Miteinander gehen, auf die Transformationen die nachhaltig einen/den sozialen Organismus aufbauen.

Zion steht für das mögliche. Was im zwischenmenschlichen unter zweien oder mehreren der Christus, der Christus Geist ist, dies wäre dann auf der sozialen weltgesellschaftlichen Ebene das geheiligte Land Zion, auch als Stadt Zion bezeichent. In der Mythologie, im jüdischen Kontext oder christlichen ist es der Endpunkt, das Ziel, das Königreich Gottes auf Erden.

Der transrationale Bewusstseins-Zustand erkennt, dass wir diese Dinge selbst miteinander aufbauen müssen, und auch können, da wir uns der geistigen Kräfte bewusst werden.

Flo Do., 10.01.2019 - 11:39
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Die wahre Gestalt der Sozialen Frage (Buchzitat) - R.Steiner

Die wahre Gestalt der Sozialen Frage (Buchzitat) - R.Steiner
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Vorbemerkung

Dies ist das Kapitel "DIE WAHRE GESTALT DER SOZIALEN FRAGE, ERFASST AUS DEM LEBEN DER MODERNEN MENSCHHEIT" aus GA 23 von Rudolf Steiner

Hier wird essentiell beschrieben wie das Bewusstsein, die Seelenstimmung des modernen Menschen sich über die letzten paar hundert Jahre heraus entwickelt hat; Was das fehlende ist, wie die Entfremdung zustande kam und wie tief die soziale Frage uns eigentlich ergreifen muss.


DIE WAHRE GESTALT DER SOZIALEN FRAGE, ERFASST AUS DEM LEBEN DER MODERNEN MENSCHHEIT\

Offenbart sich nicht aus der Weltkriegskatastrophe heraus die moderne soziale Bewegung durch Tatsachen, die beweisen, wie unzulänglich Gedanken waren, durch die man jahr­zehntelang das proletarische Wollen zu verstehen glaubte?\

Was gegenwärtig sich aus früher niedergehaltenen For­derungen des Proletariats und im Zusammenhange damit an die Oberfläche des Lebens drängt, nötigt dazu, diese Frage zu stellen. Die Mächte, welche das Niederhalten bewirkt haben, sind zum Teil vernichtet. Das Verhältnis, in das sich diese Mächte zu den sozialen Triebkräften eines großen Teiles der Menschheit gesetzt haben, kann nur erhalten wollen, wer ganz ohne Erkenntnis davon ist, wie unvernichtbar solche Impulse der Menschennatur sind.\

Manche Persönlichkeiten, deren Lebenslage es ihnen möglich machte, durch ihr Wort oder ihren Rat hemmend oder fördernd einzuwirken auf die Kräfte im europäischen Leben, die 1914 zur Kriegskatastrophe drängten, haben sich über diese Triebkräfte den größten Illusionen hin­gegeben. Sie konnten glauben, ein Waffensieg ihres Landes werde die sozialen Anstürme beruhigen. Solche Persönlich­keiten mußten gewahr werden, daß durch die Folgen ihres Verhaltens die sozialen Triebe erst völlig in die Erscheinung traten. Ja, die gegenwärtige Menschheitskatastrophe erwies sich als dasjenige geschichtliche Ereignis, durch das diese Triebe ihre volle Schlagkraft erhielten. Die führenden Persönlichkeiten\

SE023-030

und Klassen mußten ihr Verhalten in den letzten schicksalsschweren Jahren stets von dem abhängig machen, was in den sozialistisch gestimmten Kreisen der Menschheit lebte. Sie hätten oftmals gerne anders gehandelt, wenn sie die Stimmung dieser Kreise hätten unbeachtet lassen können. In der Gestalt, die gegenwärtig die Ereignisse angenommen haben, leben die Wirkungen dieser Stimmung fort.\

Und jetzt, da in ein entscheidendes Stadium eingetreten ist, was jahrzehntelang vorbereitend heraufgezogen ist in der Lebensentwickelung der Menschheit: jetzt wird zum tragischen Schicksal, daß den gewordenen Tatsachen sich die Gedanken nicht gewachsen zeigen, die im Werden dieser Tatsachen entstanden sind. Viele Persönlichkeiten, die ihre Gedanken an diesem Werden ausgebildet haben, um dem zu dienen, was in ihm als soziales Ziel lebt, vermögen heute wenig oder nichts in bezug auf Schicksalsfragen, die von den Tatsachen gestellt werden.\

Noch glauben zwar manche dieser Persönlichkeiten, was sie seit langer Zeit als zur Neugestaltung des menschlichen Lebens notwendig gedacht haben, werde sich verwirklichen und dann als mächtig genug erweisen, um den fordernden Tatsachen eine lebensmögliche Richtung zu geben. - Man kann absehen von der Meinung derer, die auch jetzt noch wähnen, das Alte müsse sich gegen die neueren Forderungen eines großen Teiles der Menschheit halten lassen. Man kann seinen Blick einstellen auf das Wollen derer, die von der Notwendigkeit einer neuen Lebensgestaltung überzeugt sind. Man wird doch nicht anders können, als sich gestehen: Es wandeln unter uns Parteimeinungen wie Urteilsmumien, die von der Entwickelung der Tatsachen zurückgewiesen\

\SE023-031

werden. Diese Tatsachen fordern Entscheidungen, für welche die Urteile der alten Parteien nicht vorbereitet sind. Solche Parteien haben sich zwar mit den Tatsachen entwickelt; aber sie sind mit ihren Denkgewohnheiten hinter den Tat­sachen zurückgeblieben. Man braucht vielleicht nicht un­bescheiden gegenüber heute noch als maßgeblich geltenden Ansichten zu sein, wenn man glaubt, das eben Angedeutete aus dem Verlaufe der Weltereignisse in der Gegenwart entnehmen zu können. Man darf daraus die Folgerung ziehen, gerade diese Gegenwart müsse empfänglich sein für den Versuch, dasjenige im sozialen Leben der neueren Menschheit zu kennzeichnen, was in seiner Eigenart auch den Denkgewohnten der sozial orientierten Persönlich­keiten und Parteirichtungen ferne liegt. Denn es könnte wohl sein, daß die Tragik, die in den Lösungsversuchen der sozialen Frage zutage tritt, gerade in einem Mißverstehen der wahren proletarischen Bestrebungen wurzelt. In einem Mißverstehen selbst von seiten derjenigen, welche mit ihren Anschauungen aus diesen Bestrebungen herausgewachsen sind. Denn der Mensch bildet sich keineswegs immer über sein eigenes Wollen das rechte Urteil.\

Gerechtfertigt kann es deshalb erscheinen, einmal die Fragen zu stellen, was will die moderne proletarische Bewegung in Wirklichkeit? Entspricht dieses Wollen dem­jenigen, was gewöhnlich von proletarischer oder nicht proletarischer Seite über dieses Wollen gedacht wird? Offenbart sich in dem, was über die «soziale Frage» von vielen gedacht wird, die wahre Gestalt dieser «Frage»? Oder ist ein ganz anders gerichtetes Denken nötig? An diese Frage wird man nicht unbefangen herantreten können, wenn man nicht durch die Lebensschicksale in die Lage\

SE023-032

versetzt war, in das Seelenleben des modernen Proletariats sich einzuleben. Und zwar desjenigen Teiles dieses Prole­tariats, der am meisten Anteil hat an der Gestaltung, welche die soziale Bewegung der Gegenwart angenommen hat.\

Man hat viel gesprochen über die Entwickelung der modernen Technik und des modernen Kapitalismus. Man hat gefragt, wie innerhalb dieser Entwickelung das gegen­wärtige Proletariat entstanden ist, und wie es durch die Entfaltung des neueren Wirtschaftslebens zu seinen For­derungen gekommen ist. In all dem, was man in dieser Richtung vorgebracht hat, liegt viel Treffendes. Daß damit aber ein Entscheidendes doch nicht berührt wird, kann sich dem aufdrängen, der sich nicht hypnotisieren läßt von dem Urteil: Die äußern Verhältnisse geben dem Menschen das Gepräge seines Lebens. Es offenbart sich dem, der sich einen unbefangenen Einblick bewahrt in die aus inneren Tiefen heraus wirkenden seelischen Impulse. Gewiß ist, daß die proletarischen Forderungen sich entwickelt haben während des Lebens der modernen Technik und des modernen Kapitalismus; aber die Einsicht in diese Tatsache gibt noch durchaus keinen Aufschluß darüber, was in diesen For­derungen eigentlich als rein menschliche Impulse lebt. Und solange man in das Leben dieser Impulse nicht eindringt, kann man wohl auch der wahren Gestalt der «sozialen Frage» nicht beikommen.\ Ein Wort, das oftmals in der Proletarierwelt aus­gesprochen wird, kann einen bedeutungsvollen Eindruck machen auf den, der in die tiefer liegenden Triebkräfte des menschlichen Wollens zu dringen vermag. Es ist das: Der moderne Proletarier ist «klassenbewußt» geworden. Er folgt den Impulsen der außer ihm bestehenden Klassen\

#SE023-033\

nicht mehr gewissermaßen instinktiv, unbewußt; er weiß sich als Angehöriger einer besonderen Klasse und ist gewillt, das Verhältnis dieser seiner Klasse zu den andern im öffent­lichen Leben in einer seinen Interessen entsprechenden Weise zur Geltung zu bringen. Wer ein Auffassungs­vermögen hat für seelische Unterströmungen, der wird durch das Wort «klassenbewußt» in dem Zusammenhang, in dem es der moderne Proletarier gebraucht, hingewiesen auf wichtigste Tatsachen in der sozialen Lebensauffassung derjenigen arbeitenden Klassen, die im Leben der modernen Technik und des modernen Kapitalismus stehen. Ein solcher muß vor allem aufmerksam darauf werden, wie wissen­schaftliche Lehren über das Wirtschaftsleben und dessen Verhältnis zu den Menschenschicksalen zündend in die Seele des Proletariers eingeschlagen haben. Hiermit wird eine Tatsache berührt, über welche viele, die nur über das Proletariat denken können, nicht mit demselben, nur ganz verschwommene, ja in Anbetracht der ernsten Ereignisse der Gegenwart schädliche Urteile haben. Mit der Meinung, dem «ungebildeten» Proletarier sei durch den Marxismus und seine Fortsetzung durch die proletarischen Schriftsteller der Kopf verdreht worden, und mit dem, was man sonst in dieser Richtung oft hören kann, kommt man nicht zu einem auf diesem Gebiete in der Gegenwart notwendigen Ver-ständnis der geschichtlichen Weltlage. Denn man zeigt, wenn man eine solche Meinung äußert, nur, daß man nicht den Willen hat, den Blick auf ein Wesentliches in der gegen­wärtigen sozialen Bewegung zu lenken. Und ein solches Wesentliches ist die Erfüllung des proletarischen Klassenbewußtseins mit Begriffen, die ihren Charakter aus der neueren wissenschaftlichen Entwickelung heraus genommen\

#SE023-034\

haben. In diesem Bewußtsein wirkt als Stimmung fort, was in Lassalles Rede über die #SE023-035\ andern Tatsache, daß ganz bestimmte Gedanken sich inner­halb seines Klassenbewußtseins an der Maschine und in der Abhängigkeit von der kapitalistischen Wirtschaftsordnung ausgebildet haben. Es könnte sein, daß die Denkgewohn­heiten der Gegenwart manchen verhindern, die Tragweite dieses Tatbestandes ganz zu erkennen und ihn veranlassen, in seiner Betonung nur ein dialektisches Spiel mit Begriffen zu sehen. Demgegenüber muß gesagt werden: Um so schlimmer für die Aussichten auf eine gedeihliche Einstellung in das soziale Leben der Gegenwart bei denen, die nicht imstande sind, das Wesentliche ins Auge zu fassen. Wer die proletarische Bewegung verstehen will, der muß vor allem wissen, wie der Proletarier denkt. Denn die proletarische Bewegung - von ihren gemäßigten Reformbestrebungen an bis in ihre verheerendsten Auswüchse hinein - wird nicht von «außermenschlichen Kräften», von «Wirtschafts­impulsen» gemacht, sondern von Menschen; von deren Vorstellungen und Willensimpulsen.\ Nicht in dem, was die Maschine und der Kapitalismus in das proletarische Bewußtsein hineinverpflanzt haben, liegen die bestimmenden Ideen und Willenskräfte der gegen­wärtigen sozialen Bewegung. Diese Bewegung hat ihre Gedanken-Quelle in der neueren Wissenschaftsrichtung gesucht, weil dem Proletarier Maschine und Kapitalismus nichts geben konnten, was seine Seele mit einem menschenwürdigen Inhalt erfüllen konnte. Ein solcher Inhalt ergab sich dem mittelalterlichen Handwerker aus seinem Berufe. In der Art, wie dieser Handwerker sich menschlich mit dem Berufe verbunden fühlte, lag etwas, das ih'n das Leben innerhalb der ganzen menschlichen Gesellschaft vor dem eigenen Bewußtsein in einem lebenswerten Lichte erscheinen\

#SE023-036\

ließ. Er vermochte, was er tat, so anzusehen, daß er dadurch verwirklicht glauben konnte, was er als «Mensch» sein wollte. An der Maschine und innerhalb der kapitalistischen Lebensordnung war der Mensch auf sich selbst, auf sein Inneres angewiesen, wenn er nach einer Grundlage suchte, auf der sich eine das Bewußtsein tragende Ansicht von dem errichten läßt, was man als «Mensch» ist. Von der Technik, von dem Kapitalismus strömte für eine solche Ansicht nichts aus. So ist es gekommen, daß das proletarische Bewußtsein die Richtung nach dem wissenschaftlich gearteten Gedanken einschlug. Es hatte den menschlichen Zusammen­hang mit dem unmittelbaren Leben verloren. Das aber geschah in der Zeit, in der die führenden Klassen der Menschheit einer wissenschaftlichen Denkungsart zustrebten, die selbst nicht mehr die geistige Stoßkraft hatte, um das menschliche Bewußtsein nach dessen Bedürfnissen allseitig zu einem befriedigenden Inhalte zu führen. Die alten Welt­anschauungen stellten den Menschen als Seele in einen geistigen Daseinszusammenhang hinein. Vor der neueren Wissenschaft erscheint er als Naturwesen innerhalb der bloßen Naturordnung. Diese Wissenschaft wird nicht emp­funden wie ein in die Menschenseele aus einer Geistwelt fließender Strom, der den Menschen als Seele trägt. Wie man auch über das Verhältnis der religiösen Impulse und dessen, was mit ihnen verwandt ist, zu der wissenschaft­lichen Denkungsart der neueren Zeit urteilen mag: man wird, wenn man unbefangen die geschichtliche Entwickelung betrachtet, zugeben müssen, daß sich das wissenschaftliche Vorstellen aus dem religiösen entwickelt hat. Aber die alten, auf religiösen Untergründen ruhenden Weltanschauungen haben nicht vermocht, ihren seelentragenden Impuls der\ \

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neueren wissenschaftlichen Vorstellungsart mitzuteilen. Sie stellten sich außerhalb dieser Vorstellungsart und lebten weiter mit einem Bewußtseinsinhalt, dem sich die Seelen des Proletariats nicht zuwenden konnten. Den führenden Klassen konnte dieser Bewußtseinsinhalt noch etwas Wert­volles sein. Er hing auf die eine oder die andere Art mit ihrer Lebenslage zusammen. Diese Klassen suchten nicht nach einem neuen Bewußtseinsinhalt, weil die Überlieferung durch das Leben selbst sie den alten noch festhalten ließ. Der moderne Proletarier wurde aus allen alten Lebenszusammenhängen herausgerissen. Er ist der Mensch, dessen Leben auf eine völlig neue Grundlage gestellt worden ist. Für ihn war mit der Entziehung der alten Lebensgrund­lagen zugleich die Möglichkeit geschwunden, aus den alten geistigen Quellen zu schöpfen. Die standen inmitten der Gebiete, denen er entfremdetworden war. Mit der modernen Technik und dem modernen Kapitalismus entwickelte sich gleichzeitig - in dem Sinne, wie man die großen weltgeschichtlichen Strömungen gleichzeitig nennen kann - die moderne Wissenschaftlichkeit. Ihr wandte sich das Ver­trauen, der Glaube des modernen Proletariats zu. Bei ihr suchte es den ihm notwendigen neuen Bewußtseinsinhalt. Aber es war zu dieser Wissenschaftlichkeit in ein anderes Verhältnis gesetzt als die führenden Klassen. Diese fühlten sich nicht genötigt, die wissenschaftliche Vorstellungsart zu ihrer seelentragenden Lebensauffassung zu machen. Mochten sie noch so sehr mit der «wissenschaftlichen Vorstellungsart» sich durchdringen, daß in der Naturordnung ein gerader Ursachenzusammenhang von den niedersten Tieren bis zum Menschen führe: diese Vorstellungsart blieb doch theoretische Überzeugung. Sie erzeugte nicht den Trieb, das Leben auch\ \

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empfindungsgemäß so zu nehmen, wie es dieser Überzeu­gung restlos angemessen ist. Der Naturforscher Vogt, der naturwissenschaftliche Popularisator Büchner: sie waren sicherlich von der wissenschaftlichen Vorstellungsart durch­drungen. Aber neben dieser Vorstellungsart wirkte in ihrer Seele etwas, das sie festhalten ließ an Lebenszusammenhängen, die sich nur sinnvoll rechtfertigen aus dem Glauben an eine geistige Weltordnung. Man stelle sich doch nur unbefangen vor, wie anders die Wissenschaftlichkeit auf den wirkt, der in solchen Lebenszusammenhängen mit dem eigenen Dasein verankert ist, als auf den modernen Prole­tarier, vor den sein Agitator hintritt und in den wenigen Abendstunden, die von der Arbeit nicht ausgefüllt sind, in der folgenden Art spricht: Die Wissenschaft hat in der neueren Zeit den Menschen ausgetrieben, zu glauben, daß sie ihren Ursprung in geistigen Welten haben. Sie sind dar­über belehrt worden, daß sie in der Urzeit unanständig als Baumkletterer lebten, belehrt, daß sie alle den gleichen rein natürlichen Ursprung haben. Vor eine nach solchen Gedanken hin orientierte Wissenschaftlichkeit sah sich der moderne Proletarier gestellt, wenn er nach einem Seelen-inhalt suchte, der ihn empfinden lassen sollte, wie er als Mensch im Weltendasein drinnen steht. Er nahm diese Wissenschaftlichkeit restlos ernst, und zog aus ihr seine Folgerungen für das Leben. Ihn traf das technische und kapitalistische Zeitalter anders als den Angehörigen der führenden Klassen. Dieser stand in einer Lebensordnung drinnen, welche noch von seelentragenden Impulsen gestaltet war. Er hatte alles Interesse daran, die Errungenschaften der neuen Zeit in den Rahitien dieser Lebensordnung ein­zuspannen. Der Proletarier war aus dieser Lebensordnung\

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seelisch herausgerissen. Ihm konnte diese Lebensordnung nicht eine Empfindung geben, die sein Leben mit einem menschenwürdigen Inhalt durchleuchtete. Empfinden lassen, was man als Mensch ist, das konnte den Proletarier das einzige, was ausgestattet mit Glauben erweckender Kraft aus der alten Lebensordnung hervorgegangen zu sein schien:\ die wissenschaftliche Denkungsart.\

Es könnte manchen Leser dieser Ausführungen wohl zu einem Lächeln drängen, wenn auf die «Wissenschaftlichkeit» der proletarischen Vorstellungsart verwiesen wird. Wer bei «Wissenschaftlichkeit» nur an dasjenige zu denken vermag, was man durch vieljähriges Sitzen in «Bildungsanstalten» sich erwirbt, und der dann diese «Wissenschaftlichkeit» in Gegensatz bringt zu dem Bewußtseinsinhalt des Proletariers, der «nichts gelernt» hat, der mag lächeln. Er lächelt über Schicksal entscheidende Tatsachen des gegenwärtigen Lebens hinweg. Diese Tatsachen bezeugen aber, daß mancher hoch-gelehrte Mensch unwissenschaftlich lebt, während der un­gelehrte Proletarier seine Lebensgesinnung nach der Wissen­schaft hin orientiert, die er vielleicht gar nicht besitzt. Der Gebildete hat die Wissenschaft aufgenommen; sie ist in einem Schubfach seines Seelen-Innern. Er steht aber in Lebenszusammenhängen und läßt sich von diesen seine Empfindungen orientieren, die nicht von dieser Wissen­schaft gelenkt werden. Der Proletarier ist durch seine Lebensverhältnisse dazu gebracht, das Dasein so aufzu­fassen, wie es der Gesinnung dieser Wissenschaft entspricht. Was die andern Klassen «Wissenschaftlichkeit» nennen, mag ihm ferne liegen; die Vorstellungsrichtung dieser Wissen­schaftlichkeit orientiert sein Leben. Für die andern Klassen ist bestimmend eine religiöse, eine ästhetische, eine allgemeingeistige\

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Grundlage; für ihn wird die «Wissenschaft», wenn auch oft in ihren allerletzten Gedanken-Ausläufen, Lebens­glaube. Mancher Angehörige der «führenden» Klassen fühlt sich «aufgeklärt», «freireligiös». Gewiß, in seinen Vor­stellungen lebt die wissenschaftliche Überzeugung; in seinen Empfindungen aber pulsieren die von ihm unbemerkten Reste eines überlieferten Lebensglaubens.\

Was die wissenschaftliche Denkungsart nicht aus der alten Lebensordnung mitbekommen hat: das ist das Bewußt­sein, daß sie als geistiger Art in einer geistigen Welt wurzelt. Über diesen Charakter der modernen Wissenschaftlichkeit konnte sich der Angehörige der führenden Klassen hinweg­setzen. Denn ihm erfüllt sich das Leben mit alten Tra­ditionen. Der Proletarier konnte das nicht. Denn seine neue Lebenslage trieb die alten Traditionen aus seiner Seele. Er übernahm die wissenschaftliche Vorstellungsart von den herrschenden Klassen als Erbgut. Dieses Erbgut wurde die Grundlage seines Bewußtseins vom Wesen des Menschen. Aber dieser «Geistesinhalt» in seiner Seele wußte nichts von seinem Ursprung in einem wirklichen Geistesleben. Was der Proletarier von den herrschenden Klassen als geistiges Leben allein übernehmen konnte, verleugnete seinen Ursprung aus dem Geiste.\

Mir ist nicht unbekannt, wie diese Gedanken Nicht-proletarier und auch Proletarier berühren werden, die mit dem Leben «praktisch» vertraut zu sein glauben, und die aus diesem Glauben heraus das hier Gesagte für eine lebens-fremde Anschauung halten. Die Tatsachen, welche aus der gegenwärtigen Weltlage heraus sprechen, werden immer mehr diesen Glauben als einen Wahn erweisen. Wer un­befangen diese Tatsachen sehen kann, dem muß sich offenbaren,\

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daß einer Lebensauffassung, welche sich nur an das Außere dieser Tatsachen hält, zuletzt nur noch Vorstellungen zugänglich sind, die mit den Tatsachen nichts mehr zu tun haben. Herrschende Gedanken haben sich so lange «prak­tisch» an die Tatsachen gehalten, bis diese Gedanken keine Ähnlichkeit mehr mit diesen Tatsachen haben. In dieser Beziehung könnte die gegenwärtige Weltkatastrophe ein Zuchtmeister für viele sein. Denn: Was haben sie gedacht, daß werden kann? Und was ist geworden? Soll es so auch mit dem sozialen Denken gehen?\

Auch höre ich im Geiste den Einwurf, den der Bekenner proletarischer Lebensauffassung aus seiner Seelenstimmung heraus macht: Wieder einer, der den eigentlichen Kern der sozialen Frage auf ein Geleise ablenken möchte, das dem bürgerlich Gesinnten bequem zu befahren scheint. Dieser Bekenner durchschaut nicht, wie ihm das Schicksal sein proletarisches Leben gebracht hat, und wie er sich innerhalb dieses Lebens durch eine Denkungsart zu bewegen sucht, die ihm von den «herrschenden» Klassen als Erbgut über-macht ist. Er lebt proletarisch; aber er denkt bürgerlich. Die neue Zeit macht nicht bloß notwendig, sich in ein neues Leben zu finden, sondern auch in neue Gedanken. Die wissenschaftliche Vorstellungsart wird erst zum leben-tragenden Inhalt werden können, wenn sie auf ihre Art für die Bildung eines vollmenschlichen Lebensinhaltes eine solche Stoßkraft entwickelt, wie sie alte Lebensauffassungen in ihrer Weise entwickelt haben.\

Damit ist der Weg bezeichnet, der zum Auffinden der wahren Gestalt eines der Glieder innerhalb der neueren proletarischen Bewegung führt. Am Ende dieses Weges ertönt aus der proletarischen Seele die Überzeugung: Ich\

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strebe nach dem geistigen Leben. Aber dieses geistige Leben ist Ideologie, ist nur, was sich im Menschen von den äußeren Weltvorgängen spiegelt, fließt nicht aus einer besonderen geistigen Welt her. Was im Übergange zur neuen Zeit aus dem alten Geistesleben geworden ist, emp­findet die proletarische Lebensauffassung als Ideologie. Wer die Stimmung in der proletarischen Seele begreifen will, die sich in den sozialen Forderungen der Gegenwart auslebt, der muß imstande sein, zu erfassen, was die Ansicht bewirken kann, daß das geistige Leben Ideologie sei. Man mag erwidern: Was weiß der Durchschnittsproletarier von dieser Ansicht, die in den Köpfen der mehr oder weniger geschulten Führer verwirrend spukt. Der so spricht, redet am Leben vorbei, und er handelt auch am wirklichen Leben vorbei. Ein solcher weiß nicht, was im Proletarierleben der letzten Jahrzehnte vorgegangen ist; er weiß nicht, welche Fäden sich spinnen von der Ansicht, das geistige Leben sei Ideologie, zu den Forderungen und Taten des von ihm nur für «unwissend» gehaltenen radikalen Sozialisten und auch zu den Handlungen derer, die aus dumpfen Lebens-impulsen heraus «Revolution machen».\ Darinnen liegt die Tragik, die über das Erfassen der sozialen Forderungen der Gegenwart sich ausbreitet, daß man in vielen Kreisen keine Empfindung für das hat, was aus der Seelenstimmung der breiten Massen sich an die Oberfläche des Lebens heraufdrängt, daß man den Blick nicht auf das zu richten vermag, was in den Menschengemütern wirklich vorgeht. Der Nichtproletarier hört angsterfüllt nach den Forderungen des Proletariers hin und vernimmt: Nur durch Vergesellschaftung der Produktions­mittel kann für mich ein menschenwürdiges Dasein erreicht\

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werden. Aber er vermag sich keine Vorstellung davon zu bilden, daß seine Klasse beim Übergang aus einer alten in die neue Zeit nicht nur den Proletarier zur Arbeit an den ihm nicht gehörenden Produktionsmitteln aufgerufen hat, sondern daß sie nicht vermocht hat, ihm zu dieser Arbeit einen tragenden Seeleninhalt hinzuzugeben. Menschen, welche in der oben angedeuteten Art am Leben vorbeisehen und vorbeihandeln, mögen sagen: Aber der Proletarier will doch einfach in eine Lebenslage versetzt sein, die der­jenigen der herrschenden Klassen gleichkommt; wo spielt da die Frage nach dem Seeleninhalt eine Rolle? Ja, der Proletarier mag selbst behaupten: Ich verlange von den andern Klassen nichts für meine Seele; ich will, daß sie mich nicht weiter ausbeuten können. Ich will, daß die jetzt bestehenden Klassenunterschiede aufhören. Solche Rede trifft doch das Wesen der sozialen Frage nicht. Sie enthüllt nichts von der wahren Gestalt dieser Frage. Denn ein solches Bewußtsein in den Seelen der arbeitenden Bevölkerung, das von den herrschenden Klassen einen wahren Geistesinhalt ererbt hätte, würde die sozialen Forderungen in ganz anderer Art erheben, als es das moderne Proletariat tut, das in dem empfangenen Geistesleben nur eine Ideologie sehen kann. Dieses Proletariat ist von dem ideologischen Charakter des Geisteslebens überzeugt; aber es wird durch diese Überzeugung immer unglücklicher. Und die Wirkungen dieses seines Seelenunglückes, die es nicht bewußt kennt, aber intensiv erleidet, überwiegen weit in ihrer Bedeutung für die soziale Lage der Gegenwart alles, was nur die in ihrer Art auch berechtigte Forderung nach Verbesserung der äußeren Lebenslage ist.\ Die herrschenden Klassen erkennen sich nicht als die\

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Urheber derjenigen Lebensgesinnung, die ihnen gegenwärtig im Proletariertum kampfbereit entgegentritt. Und doch sind sie diese Urheber dadurch geworden, daß sie von ihrem Geistesleben diesem Proletariertum nur etwas haben ver­erben können, was von diesem als Ideologie empfunden werden muß.\ Nicht das gibt der gegenwärtigen sozialen Bewegung ihr wesentliches Gepräge, daß man nach einer Änderung der Lebenslage einer Menschenklasse verlangt, obgleich es das natürlich Erscheinende ist, sondern die Art wie die For­derung nach dieser Änderung aus den Gedanken-Impulsen dieser Klasse in Wirklichkeit umgesetzt wird. Man sehe sich doch die Tatsachen von diesem Gesichtspunkte aus nur einmal unbefangen an. Dann wird man sehen, wie Per­sönlichkeiten, die ihr Denken in der Richtung der proleta­rischen Impulse halten wollen, lächeln, wenn die Rede darauf kommt, durch diese oder jene geistigen Bestrebungen wolle man etwas beitragen zur Lösung der sozialen Frage. Sie belächeln das als Ideologie> als eine graue Theorie. Aus dem Gedanken heraus, aus dem bloßen Geistesleben heraus, so meinen sie, werde gewiß nichts beigetragen werden können zu den brennenden sozialen Fragen der Gegenwart. Aber sieht man genauer zu, dann drängt es sich einem auf, wie der eigentliche Nerv, der eigentliche Grundimpuls der modernen, gerade proletarischen Bewegung nicht in dem liegt, wovon der heutige Proletarier spricht, sondern liegt in Gedanken.\ Die moderne proletarische Bewegung ist, wie vielleicht noch keine ähnliche Bewegung der Welt - wenn man sie genauer anschaut, zeigt sich dies im eminentesten Sinne -, eine Bewegung aus Gedanken entsprungen. Dies sage ich\

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nicht bloß wie ein im Nachdenken über die soziale Be­wegung gewonnenes Aperçu. Wenn es mir gestattet ist, eine persönliche Bemerkung einzufügen, so sei es diese: Ich habe jahrelang innerhalb einer Arbeiterbildungsschule in den verschiedensten Zweigen proletarischen Arbeitern Un­terricht erteilt. Ich glaube dabei kennengelernt zu haben, was in der Seele des modernen proletarischen Arbeiters lebt und strebt. Von da ausgehend habe ich auch zu verfolgen Gelegenheit gehabt, was in den Gewerkschaften der ver­schiedenen Berufe und Berufsrichtungen wirkt. Ich meine, ich spreche nicht bloß vom Gesichtspunkte theoretischer Er­wägungen, sondern ich spreche aus, was ich glaube, als Ergebnis wirklicher Lebenserfahrung mir errungen zu haben.\ Wer - was bei den führenden Intellektuellen leider so wenig der Fall ist

wer die moderne Arbeiterbewegung da kennengelernt hat, wo sie von Arbeitern getragen wird, der weiß, welch bedeutungsschwere Erscheinung dieses ist, daß eine gewisse Gedanken-Richtung die Seelen einer großen Zahl von Menschen in der intensivsten Weise ergriffen hat. Was gegenwärtig schwierig macht, zu den sozialen Rätseln Stellung zu nehmen, ist, daß eine so geringe Möglichkeit des gegenseitigen Verständnisses der Klassen da ist. Die bürgerlichen Klassen können heute sich so schwer in die Seele des Proletariers hineinversetzen, können so schwer verstehen, wie in der noch unverbrauchten Intelligenz des Proletariats Eingang finden konnte eine solche - mag man nun zum Inhalt stehen wie man will -, eine solche an menschliche Denkforderungen höchste Maßstäbe anlegende Vorstellungsart, wie es diejenige Karl Marxens ist.\ Gewiß, Karl Marxens Denksystem kann von dem einen\

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angenommen, von dem andern widerlegt werden, vielleicht das eine mit so gut erscheinenden Gründen wie das andre; es konnte revidiert werden von denen, die das soziale Leben nach Marxens und seines Freundes Engels Tode von anderem Gesichtspunkte ansahen als diese Führer. Von dem Inhalte dieses Systems will ich gar nicht sprechen. Der scheint mir nicht als das Bedeutungsvolle in der modernen proletarischen Bewegung. Das Bedeutungsvollste erscheint mir, daß die Tatsache vorliegt: Innerhalb der Arbeiterschaft wirkt als mächtigster Impuls ein Gedankensystem. Man kann geradezu die Sache in der folgenden Art aussprechen: Eine praktische Bewegung, eine reine Lebensbewegung mit alleralltäglichsten Menschheitsforderungen stand noch nie­mals so fast ganz allein auf einer rein gedanklichen Grundlage wie diese moderne Proletarierbewegung. Sie ist gewisser­maßen sogar die erste derartige Bewegung in der Welt, die sich rein auf eine wissenschaftliche Grundlage gestellt hat. Diese Tatsache muß aber richtig angesehen werden. Wenn man alles dasjenige ansieht, was der moderne Prole­tarier über sein eigenes Meinen und Wollen und Empfinden bewußt zu sagen hat, so scheint einem das programmäßig Ausgesprochene bei eindringlicher Lebensbeobachtung durch­aus nicht als das Wichtige.\

Als wirklich wichtig aber muß erscheinen, daß im Prole­tarierempfinden für den ganzen Menschen entscheidend geworden ist, was bei andern Klassen nur in einem einzelnen Gliede ihres Seelenlebens verankert ist: die Gedankengrundlage der Lebensgesinnung. Was im Proletarier auf diese Art innere Wirklichkeit ist, er kann es nicht bewußt zugestehen. Er ist von diesem Zugeständnis abgehalten da­durch, daß ihm das Gedankenleben als Ideologie überliefert\

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worden ist. Er baut in Wirklichkeit sein Leben auf die Ge­danken; empfindet diese aber als unwirkliche Ideologie. Nicht anders kann man die proletarische Lebensauffassung und ihre Verwirklichung durch die Handlungen ihrer Trä­ger verstehen, als indem man diese Tatsache in ihrer vollen Tragweite innerhalb der neueren Menschheitsentwickelung durchschaut.\

Aus der Art, wie in dem Vorangegangenen das geistige Leben des modernen Proletariers geschildert worden ist, kann man erkennen, daß in der Darstellung der wahren Gestalt der proletarisch-sozialen Bewegung die Kennzeich­nung dieses Geisteslebens an erster Stelle erscheinen muß. Denn es ist wesentlich, daß der Proletarier die Ursachen der ihn nicht befriedigenden sozialen Lebenslage so empfin­det und nach ihrer Beseitigung in einer solchen Art strebt, daß Empfindung und Streben von diesem Geistesleben die Richtung empfängt. Und doch kann er gegenwärtig noch gar nicht anders als die Meinung spottend oder zornig ablehnen, daß in diesen geistigen Untergründen der sozialen Bewegung etwas liegt, was eine bedeutungsvolle treibende Kraft darstellt. Wie sollte er einsehen, daß das Geistesleben eine ihn treibende Macht hat, da er es doch als Ideologie empfinden muß? Von einem Geistesleben, das so empfun­den wird, kann man nicht erwarten, daß es den Ausweg aus einer sozialen Lage findet, die man nicht weiter er­tragen will. Aus seiner wissenschaftlich orientierten Den­kungsart ist dem modernen Proletarier nicht nur die Wissen-schaft selbst, sondern es sind ihm Kunst, Religion, Sitte, Recht zu Bestandteilen der menschlichen Ideologie gewor­den. Er sieht in dem, was in diesen Zweigen des Geistes­lebens waltet, nichts von einer in sein Dasein hereinbrechenden\

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Wirklichkeit, die zu dem materiellen Leben etwas hinzufügen kann. Ihm sind sie nur Abglanz oder Spiegel­bild dieses materiellen Lebens. Mögen sie immerhin, wenn sie entstanden sind, auf dem Umwege durch das menschliche Vorstellen oder durch ihre Aufnahme in die Willensimpulse auf das materielle Leben wieder gestaltend zurückwirken:\

Ursprünglich steigen sie als ideologische Gebilde aus diesem Leben auf. Nicht sie können von sich aus etwas geben, das zur Behebung der sozialen Schwierigkeiten führt. Nur inner­halb der materiellen Tatsachen selbst kann etwas entstehen, was zum Ziele geleitet.\

Das neuere Geistesleben ist von den führenden Klassen der Menschheit an die proletarische Bevölkerung in einer Form übergegangen, die seine Kraft für das Bewußtsein dieser Bevölkerung ausschaltet. Wenn an die Kräfte gedacht wird, welche der sozialen Frage die Lösung bringen können, so muß dies vor allem andern verstanden werden. Bliebe diese Tatsache weiter wirksam, so müßte sich das Geistes­leben der Menschheit zur Ohnmacht verurteilt sehen gegen­über den sozialen Forderungen der Gegenwart und Zu­kunft. Von dem Glauben an diese Ohnmacht ist in der Tat ein großer Teil des modernen Proletariats überzeugt; und diese Überzeugung wird aus marxistischen oder ähnlichen Bekenntnissen heraus zum Ausdruck gebracht. Man sagt, das moderne Wirtschaftsleben hat aus seinen ältern Formen heraus die kapitalistische der Gegenwart entwickelt. Diese Entwickelung hat das Proletariat in eine ihm unerträgliche Lage gegenüber dem Kapitale gebracht. Die Entwickelung werde weitergehen; sie werde den Kapitalismus durch die in ihm selbst wirkenden Kräfte ertöten, und aus dem Tode des Kapitalismus werde die Befreiung des Proletariats erstehen.\

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Diese Überzeugung ist von neueren sozialistischen Denkern des fatalistischen Charakters entkleidet worden, den sie für einen gewissen Kreis von Marxisten angenom­men hat. Aber das Wesentliche ist auch da geblieben. Dies drückt sich darinnen aus, daß es dem, der gegenwärtig echt sozialistisch denken will, nicht beifallen wird, zu sagen:\

Wenn irgendwo ein aus den Impulsen der Zeit heraus­geholtes, in einer geistigen Wirklichkeit wurzelndes, die Menschen tragendes Seelenleben sich zeigt, so wird von diesem die Kraft ausstrahlen können, die auch der sozialen Bewegung den rechten Antrieb gibt.\

Daß der zur proletarischen Lebensführung gezwungene Mensch der Gegenwart gegenüber dem Geistesleben dieser Gegenwart eine solche Erwartung nicht hegen kann, das gibt seiner Seele die Grundstimmung. Er bedarf eines Gei­steslebens, von dem die Kraft ausgeht, die seiner Seele die Empfindung von seiner Menschenwürde verleiht. Denn als er in die kapitalistische Wirtschaftsordnung der neueren Zeit hineingespannt worden ist, wurde er mit den tiefsten Bedürfnissen seiner Seele auf ein solches Geistesleben hin­gewiesen. Dasjenige Geistesleben aber, das ihm die führen­den Klassen als Ideologie überlieferten, höhlte seine Seele aus. Daß in den Forderungen des modernen Proletariats die Sehnsucht nach einem andern Zusammenhang mit dem Geistesleben wirkt, als ihm die gegenwärtige Gesellschafts­ordnung geben kann: dies gibt der gegenwärtigen sozialen Bewegung die richtende Kraft. Aber diese Tatsache wird weder von dem nicht proletarischen Teile der Menschheit richtig erfaßt, noch von dem proletarischen. Denn der nicht proletarische leidet nicht unter dem ideologischen Gepräge des modernen Geisteslebens, das er selbst herbeigeführt hat.\

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Der proletarische Teil leidet darunter. Aber dieses ideolo­gische Gepräge des ihm vererbten Geisteslebens hat ihm den Glauben an die tragende Kraft des Geistesgutes als solchen geraubt. Von der rechten Einsicht in diese Tatsache hängt das Auffinden eines Weges ab, der aus den Wirren der gegenwärtigen sozialen Lage der Menschheit herausführen kann. Durch die gesellschaftliche Ordnung, welche unter dem Einfluß der führenden Menschenklassen beim Herauf­kommen der neueren Wirtschaftsform entstanden ist, ist der Zugang zu einem solchen Wege verschlossen worden. Man wird die Kraft gewinnen müssen, ihn zu öffnen.\ Man wird auf diesem Gebiete zum Umdenken dessen kommen, was man gegenwärtig denkt, wenn man das Ge­wicht der Tatsache wird richtig empfinden lernen, daß ein gesellschaftliches Zusammenleben der Menschen, in dem das Geistesleben als Ideologie wirkt, eine der Kräfte entbehrt, welche den sozialen Organismus lebensfähig machen. Der gegenwärtige krankt an der Ohnmacht des Geisteslebens. Und die Krankheit wird verschlimmert durch die Abnei­gung, ihr Bestehen anzuerkennen. Durch die Anerkennung dieser Tatsache wird man eine Grundlage gewinnen, auf der sich ein der sozialen Bewegung entsprechendes Denken entwickeln kann.\ Gegenwärtig vermeint der Proletarier eine Grundkraft seiner Seele zu treffen, wenn er von seinem Klassenbewußtsein redet. Doch die Wahrheit ist, daß er seit seiner Ein­spannung in die kapitalistische Wirtschaftsordnung nach einem Geistesleben sucht, das seine Seele tragen kann, das ihm das Bewußtsein seiner Menschenwürde gibt; und daß ihm das als ideologisch empfundene Geistesleben dieses Bewußtsein nicht entwickeln kann. Er hat nach diesem\

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Bewußtsein gesucht, und er hat, was er nicht finden konnte, durch das aus dem Wirtschaftsleben geborene Klassenbe­wußtsein ersetzt.\ Sein Blick ist wie durch eine mächtige suggestive Kraft bloß hingelenkt worden auf das Wirtschaftsleben. Und nun glaubt er nicht mehr, daß anderswo, in einem Geistigen oder Seelischen, ein Anstoß liegen könne zu dem, was not­wendig eintreten müßte auf dem Gebiete der sozialen Bewegung. Er glaubt allein, daß durch die Entwickelung des ungeistigen, unseelischen Wirtschaftslebens der Zustand her­beigeführt werden könne, den er als den menschenwürdigen empfindet. So wurde er dazu gedrängt, sein Heil allein in einer Umgestaltung des Wirtschaftslebens zu suchen. Zu der Meinung wurde er gedrängt, daß durch bloße Umgestaltung des Wirtschaftslebens verschwinden werde all der Schaden, der herrührt von der privaten Unternehmung, von dem Egoismus des einzelnen Arbeitgebers und von der Unmög­lichkeit des einzelnen Arbeitgebers, gerecht zu werden den Ansprüchen auf Menschenwürde, die im Arbeitnehmer leben. So kam der moderne Proletarier dazu, das einzige Heil des sozialen Organismus zu sehen in der Überführung allen Privatbesitzes an Produktionsmitteln in gemeinschaftlichen Betrieb oder gar gemeinschaftliches Eigentum. Eine solche Meinung ist dadurch entstanden, daß man gewissermaßen den Blick abgelenkt hat von allem Seelischen und Geistigen und ihn nur hingerichtet hat auf den rein ökonomischen Prozeß.\

Dadurch stellte sich all das Widerspruchsvolle ein, das in der modernen proletarischen Bewegung liegt. Der moderne Proletarier glaubt, daß aus der Wirtschaft, aus dem Wirt­schaftsleben selbst sich alles entwickeln müsse, was ihm zuletzt\

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sein volles Menschenrecht geben werde. Um dies volle Menschenrecht kämpft er. Allein innerhalb seines Strebens tritt etwas auf, was eben niemals aus dem wirtschaftlichen Leben allein als eine Folge auftreten kann. Das ist eine bedeutende, eine eindringliche Sprache redende Tatsache, daß geradezu im Mittelpunkte der verschiedenen Gestal­tungen der sozialen Frage aus den Lebensnotwendigkeiten der gegenwärtigen Menschheit heraus etwas liegt, von dem man glaubt, daß es aus dem Wirtschaftsleben selbst hervor­gehe, das aber niemals aus diesem allein entspringen konnte, das vielmehr in der geraden Fortentwickelungslinie liegt, die über das alte Sklavenwesen durch das Leibeigenen­wesen der Feudalzeit zu dem modernen Arbeitsproletariat heraufführt. Wie auch für das moderne Leben die Warenzirkulation, die Geldzirkulation, das Kapitalwesen, der Besitz, Wesen von Grund und Boden und so weiter sich gestaltet haben, innerhalb dieses modernen Lebens hat sich etwas herausgebildet, das nicht deutlich ausgesprochen wird, auch von dem modernen Proletarier nicht bewußt empfun­den wird, das aber der eigentliche Grundimpuis seines so­zialen Wollens ist. Es ist dieses: Die moderne kapitalistische Wirtschaftsordnung kennt im Grunde genommen nur Ware innerhalb ihres Gebietes. Sie kennt Wertbildung dieser Waren innerhalb des wirtschaftlichen Organismus. Und es ist geworden innerhalb des kapitalistischen Organismus der neueren Zeit etwas zu einer Ware, von dem heute der Pro­letarier empfindet: es darf nicht Ware sein.\ Wenn man einmal einsehen wird, wie stark als einer der Grundimpulse der ganzen modernen proletarischen sozialen Bewegung in den Instinkten, in den unterbewußten Empfin­dungen des modernen Proletariers ein Abscheu davor lebt,\

#SE023-053\

daß er seine Arbeitskraft dem Arbeitgeber ebenso verkaufen muß, wie man auf dem Markte Waren verkauft, der Ab­scheu davor, daß auf dem Arbeitskräftemarkt nach An­gebot und Nachfrage seine Arbeitskraft ihre Rolle spielt, wie die Ware auf dem Markte unter Angebot und Nach­frage, wenn man darauf kommen wird, welche Bedeutung dieser Abscheu vor der Ware Arbeitskraft in der modernen sozialen Bewegung hat, wenn man ganz unbefangen dar­auf blicken wird, daß, was da wirkt, auch nicht eindringlich und radikal genug von den sozialistischen Theorien aus­gesprochen wird, dann wir man zu dem ersten Impuls, dem ideologisch empfundenen Geistesleben, den zweiten gefun­den haben, von dem gesagt werden muß, daß er heute die soziale Frage zu einer drängenden, ja brennenden macht.\ Im Altertum gab es Sklaven. Der ganze Mensch wurde wie eine Ware verkauft. Etwas weniger vom Menschen, aber doch eben ein Teil des Menschenwesens selber wurde in den Wirtschaftsprozeß eingegliedert durch die Leibeigen­schaft. Der Kapitalismus ist die Macht geworden, die noch einem Rest des Menschenwesens den Charakter der Ware aufdrückt: der Arbeitskraft. Ich will hier nicht sagen, daß diese Tatsache nicht bemerkt worden sei. Im Gegenteil, sie wird im sozialen Leben der Gegenwart als eine fundamen­tale Tatsache empfunden. Sie wird als etwas gefühlt, was gewichtig in der modernen sozialen Bewegung wirkt. Aber man lenkt, indem man sie betrachtet, den Blick lediglich auf das Wirtschaftsleben. Man macht die Frage über den Waren­charakter zu einer bloßen Wirtschaftsfrage. Man glaubt, daß aus dem Wirtschaftsleben heraus selbst die Kräfte kom­men müssen, welche einen Zustand herbeiführen, durch den der Proletarier nicht mehr die Eingliederung seiner Arbeits­kraft\

#SE023-054\

in den sozialen Organismus als seiner unwürdig emp­findet. Man sieht, wie die moderne Wirtschaftsform in der neueren geschichtlichen Entwickelung der Menschheit heraufgezogen ist. Man sieht auch, daß diese Wirtschaftsform der menschlichen Arbeitskraft den Charakter der Ware aufgeprägt hat. Aber man sieht nicht, wie es im Wirtschafts­leben selbst liegt, daß alles ihm Eingegliederte zur Ware werden muß. In der Erzeugung und in dem zweckmäßigen Verbrauch von Waren besteht das Wirtschaftsleben. Man kann nicht die menschliche Arbeitskraft des Warencharak­ters entkleiden, wenn man nicht die Möglichkeit findet, sie aus dem Wirtschaftsprozeß herauszureißen. Nicht darauf kann das Bestreben gerichtet sein, den Wirtschaftsprozeß so umzugestalten, daß in ihm die menschliche Arbeitskraft zu ihrem Rechte kommt, sondern darauf: Wie bringt man diese Arbeitskraft aus dem Wirtschaftsprozeß heraus, um sie von sozialen Kräften bestimmen zu lassen, die ihr den Waren-charakter nehmen? Der Proletarier ersehnt einen Zustand des Wirtschaftslebens, in dem seine Arbeitskraft ihre ange­messene Stellung einnimmt. Er ersehnt ihn deshalb, weil er nicht sieht, daß der Warencharakter seiner Arbeitskraft wesentlich von seinem völligen Eingespanntsein in den Wirtschaftsprozeß herrührt. Dadurch, daß er seine Arbeits­kraft diesem Prozeß überliefern muß, geht er mit seinem ganzen Menschen in demselben auf. Der Wirtschaftsprozeß strebt so lange durch seinen eigenen Charakter danach, die Arbeitskraft in der zweckmäßigsten Art zu verbrauchen, wie in ihm Waren verbraucht werden, so lange man die Regelung der Arbeitskraft in ihm liegen läßt. Wie hypnoti­siert durch die Macht des modernen Wirtschaftslebens, richtet man den Blick allein auf das, was in diesem wirken kann.\

#SE023-055\

Man wird durch diese Blickrichtung nie finden, wie Arbeits­kraft nicht mehr Ware zu sein braucht. Denn eine andere Wirtschaftsform wird diese Arbeitskraft nur in einer andern Art zur Ware machen. Die Arbeitsfrage kann man nicht in ihrer wahren Gestalt zu einem Teile der sozialen Frage machen, solange man nicht sieht, daß im Wirtschaftsleben Warenerzeugung, Warenaustausch und Warenkonsumtion nach Gesetzen vor sich gehen, die durch Interessen bestimmt werden, deren Machtbereich nicht über die menschliche Arbeitskraft ausgedehnt werden soll.\

Das neuzeitliche Denken hat nicht trennen gelernt die ganz verschiedenen Arten, wie sich auf der einen Seite das­jenige in das Wirtschaftsleben eingliedert, was als Arbeits­kraft an den Menschen gebunden ist, und auf der andern Seite dasjenige, was, seinem Ursprunge nach, unverbunden mit dem Menschen auf den Wegen sich bewegt, welche die Ware nehmen muß von ihrer Erzeugung bis zu ihrem Ver­brauch. Wird sich durch eine in dieser Richtung gehende gesunde Denkungsart die wahre Gestalt der Arbeitsfrage einerseits zeigen, so wird anderseits sich durch diese Denk­art auch erweisen, welche Stellung das Wirtschaftsleben im gesunden sozialen Organismus einnehmen soll.\

Man sieht schon hieraus, daß die «soziale Frage» sich in drei besondere Fragen gliedert. Durch die erste wird auf die gesunde Gestalt des Geisteslebens im sozialen Organis­mus zu deuten sein; durch die zweite wird das Arbeitsver­hältnis in seiner rechten Eingliederung in das Gemeinschafts­leben zu betrachten sein; und als drittes wird sich ergeben können, wie das Wirtschaftsleben in diesem Leben wirken soll.

Flo Do., 31.10.2019 - 09:54
German

Menschheitliche Entwicklungsziele - Über Gut und Böse (Buchzitat)

Menschheitliche Entwicklungsziele - Über Gut und Böse (Buchzitat)
Textkörper

Ich erlaube mir hier ein Kapitel aus einem Buch herauszunehmen und einzustellen. Es behandelt das Thema und ist sehr lesenswert; Hervorhebungen sind von mir.

Aus Menschengemäße Politik - Dieter Frei

Page-1 2. Kapitel

MENSCHHEITLICHE ENTWICKLUNGSZIELE - ÜBER GUT UND BÖSE

Die Anthroposophie faßt das irdische Leben des Menschen als Be- standteil eines sowohl menschheitlichen als auch individuellen Evolutionsganges auf. Dieser erfüllt sich durch die Erfahrungen, welche der Mensch in seinen aufeinanderfolgenden irdischen Verkörperungen macht und durch die Kräfte und Fähigkeiten, die er in denselben für sein geistig-seelisches Wesen erwirbt.

Wer einen solchen Evolutions- und Entwicklungsgang im Men- schendasein annimmt, wird nach dessen Zielen fragen. Dabei ha- ben wir zu beachten, daß die menschliche Entwicklung nicht gerad- linig verläuft, weder die individuelle, noch die allgemeine. Zeiten des Kulturaufstieges und des Kulturniederganges folgen sich in der Menschheitsgeschichte ebenso wie Hoch- und Tiefpunkte, Glück und Leid im individuellen Schicksalsverlaufe. Es walten im Men- schendasein aufbauende, positive wie zerstörerische, negative Kräfte.

Diese letzteren, negativen Kräfte sind es vor allem, die unserem Verständnisse am meisten Mühe bereiten, wenn wir den Sinn der menschlichen Entwicklung erfassen wollen. Wir kennen diese Kräfte innerhalb der Natur als lebensbedrohende, zerstörerische Naturgewalten, als das Gesetz des Todes, dem alles Lebende un- terworfen ist, als Begleiterscheinungen technischer Errungen- schaften, als natürliche Tendenz zum Chaos alles geordnet Gewor- denen. Wir kennen sie aber auch in der menschlichen Seele als Versuchermächte, die den Menschen von seinem geistigen Ur- sprunge abziehen und ihn zum Bösen hinführen. Wir kennen sie im sozialen Leben als die sozialzerstörerischen Kräfte, die Unfrieden, Ungerechtigkeit, soziales Elend bewirken.

Die negativen Kräfte im Dasein vermögen das Vertrauen man- ches Menschen in das Bestehen einer positiven Menschheits- entwicklung zu erschüttern. Sie lassen Zweifel aufkommen am Geistgegründetsein des Menschenwesens und am Vorhandensein einer aufbauend weiterführenden Evolution.

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In solchen Zweifeln half bis vor verhältnismäßig kurzer Zeit der religiöse Glaube. Dieser vermittelte ja insbesondere die Ver- heißung auf eine ausgleichende Gerechtigkeit im Jenseits, nach dem Tode. Allein, an der Strenge des modernen naturwissenschaft- lichen Denkens zerbricht dieser Glaube immer mehr. Das dem heutigen Denken zugrunde liegende Bewußtsein fordert, verstehen und bis zu einem gewissen Grade durchschauen zu können, was früher wie selbstverständlich auf eine kirchliche oder andere gei- stige Autorität hin angenommen werden konnte. Es fordert, auch die negativen, zerstörenden Kräfte des Daseins verstehen und eine Einsicht in ihren Sinn gewinnen zu können.

Die anthroposophische Geisteswissenschaft kann den Graben überbrücken, der sich in diesen Fragen zwischen Glauben und Wis- sen aufgetan hat. Sie zeigt die menschliche Evolution im Zusam- menhange mit der Entwicklung der geistigen Wesenheiten, welche die Schöpfung bewirkten und weiterführen. Ihre Darstellung weist auf, daß es im Evolutionsgange der Menschheit notwendig war, eine Differenzierung der Entwicklungsstadien eintreten zu lassen. Die an der Evolution beteiligten Wesenheiten mußten verschieden weit gehende Entwicklungsstufen erlangen, damit ein differenzier- ter Kosmos entstand. Mit der Unterschiedlichkeit der Entwicklung traten neben den fördernden hemmende Kräfte im Evolutions- gange auf. Dadurch, daß gewisse geistige Wesen, die in einer bestimmten Zeit positiv wirkten, in ihrer Entwicklung zurückblie- ben, konnten hemmende, sich dem ursprünglichen geistig-göttli- chen Schöpfungsplane widersetzende Mächte auftreten und sich erhalten. Diese Wesen wirkten in neuen Entwicklungsphasen noch mit ihren alten Kräften weiter, anstatt sich die notwendigen neuen Kräfte zu erwerben und wurden so zu Hemmnissen für die Evolu- tion. Ihre Wirksamkeit zur Unzeit und am unrechten Ort schafft das für das menschliche Dasein und Erleben Gegnerische, Böse. Im Gesamtverlauf der Evolution sind diese Wesen und Kräfte dennoch als berechtigt und von einem übergeordneten Gesichtspunkte aus sogar als positiv anzusehen, weil nur durch sie, an ihrem Wider- stand und durch ihre Überwindung, die zwar guten Anlagen, aber schwachen Kräfte des Menschenwesens erstarken können. In sol- chem Sinne wirkt das Böse noch positiv! Goethe hat dies in groß- artiger Weise erfaßt und zum Ausdruck gebracht in seiner Faust- Dichtung, in welcher er den Widersacher Mephistopheles auf

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Fausts Frage, «wer bist du denn?» antworten läßt: «Ein Teil yon je- ner Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft»!!!

Wir sind es bis heute gewohnt, im moralischen Urteil die för- dernden Kräfte pauschal gut, die hemmenden böse zu nennen, und wir machen uns in der Regel keine Gedanken über die Möglichkeit, diese Kräfte weiter zu unterscheiden. Doch es gibt ebenso diffe- renzierte gute, wie auch verschiedenartige böse Mächte und We- senheiten. Mit den letzteren wollen wir uns hier noch etwas näher befassen. Die Anthroposophie unterscheidet dabei insbesondere zwei entgegengesetzt wirkende Gruppen. Die eine will den Men- schen dem Irdischen entziehen, will ihn zu rasch in die Höhen gei- stigen Erlebens führen. Die damit verbundene Grundtendenz in der Menschenseele ist die Schwarmgeisterei. Das Wirken der ande- ren Kräftegruppe geht dahin, den Menschen zu stark im Materiel- len zu verfestigen, sein Interesse und Wollen ganz auf das materi- elle Dasein zu lenken. Die entsprechende Seelenqualität ist die materialistische Verhärtung im Denken wie im Handeln. Die letz- teren Kräfte sind heute besonders stark in der Menschheit wirk- sam; dies zeigt sich unter anderem an der Überbetonung des mate- rialistischen Denkens, das die heutige technische Zivilisation ge- schaffen hat. - Die sich immer stärker ausbreitende Brutalisierung und Animalisierung der Menschenverhältnisse ist ein Ausdruck dieser und weiterer Wesen und Kräfte, die der positiven Mensch- heitsentwicklung entgegenstehen. Sie werden in der Zukunft stets mehr an Einfluß gewinnen, wenn sich die Menschheit nicht auf ihre geistigen Ursprungskräfte besinnt und ihre Geistesziele bewußt zu erreichen trachtet.

Die Wurzel des Bösen ist letztlich in der eigenmächtigen Absonderung der Wesen (auch des Menschen) von ihren geistigen Schöpfermächten zu suchen, mithin im Impuls zum Egoismus selbst. Die Überwindung des Bösen kann nur durch den direkten Gegenimpuls des Egoismus, durch einen umfassend verstandenen Altruismus geschehen. Das muß insbesondere gelebte Sozial- erkenntnis und Sozialgestaltungspraxis werden. - Aufgabe des indi- viduellen Menschen ist dabei, seinen eigenen sittlichen Lebenspfad zu suchen und zu finden zwischen den Gewalten, die ihn von seinen geistigen Ursprüngen abziehen und ihn damit von seinen Entwick- lungszielen abbringen wollen. Ergreift der Mensch diese Aufgabe positiv, so trägt er das Seine bei zur Weiterentwicklung im Sinne

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des Guten auch der Gesamtmenschheit. Der Mensch steht dabei nicht allein, denn es sind der Menschheit durch die geistigen Mächte die dafür notwendigen Hilfen gegeben worden. Die wesent- lichste Hilfe besteht im Erscheinen des Christus auf der Erde, besteht in den Ereignissen, die mit dem Leben, dem Tode und der Auferstehung Christi zusammenhängen. Daraus können der Menschheit die Kräfte zufließen, die ihr die Wiedergewinnung ihres geistigen Ursprunges und damit mit der Zeit die Überwin- dung des Bösen ermöglichen. Um dies in ausreichendem Umfange zu erkennen, bedarf es allerdings eines erneuerten Verständnisses des Christus-Impulses, eines Verständnisses, das den traditionellen christlichen Konfessionen weitgehend abhanden gekommen ist, durch eine anthroposophische Christuslehre aber neu erlangt wer- den kann.

Die Erkenntnis und der Weg zur Überwindung des Bösen in der Welt müssen vom Menschen in Freiheit ergriffen werden. Allein dadurch kann der Mensch seine Evolutionsziele erreichen, daß er sich mit dem Christus-Impuls verbindet. Abwendung und Abirrung davon führen den Menschen in die innere und, durch die Ver- wirrung der sozialen Verhältnisse, auch in die äußere Knechtschaft. - Es soll hier nicht auf Einzelheiten anthroposophischer Darstel- lungen eingegangen werden, die zeigen, wie der Christus-Impuls menschheitlich und individuell aufgefaßt werden kann. Es muß die Aussage genügen, daß er als Zentralimpuls der Menschheitsent- wicklung schlechthin zu verstehen ist, durch den die Menschheit aus dem Niedergangsstrome, in dem sie sich bis zum Erscheinen des Christus befand, herausgerettet und in eine neue Aufwärts- entwicklung gebracht worden ist. Damit der Mensch bewußt Anteil an diesem Geschehen gewinnt, ist notwendig, daß er bejahend einen Zugang zur Christus-Wesenheit findet. Er kann dies allein während seines irdischen Lebens erreichen, indem er sich mit den vom Christus ausgehenden Menschheitsimpulsen der Nächstenliebe und einer dem allgemeinen Menschheitsfortschritt dienenden Selbstvervollkommnung in Freiheit verbindet.

Die Menschheit als Ganzes und jeder einzelne Mensch ist hin- eingestellt in den Evolutionsgang und damit in die Auseinander- setzung mit den geschilderten Kräften, deren Wirkungen im einzel- nen für ihn meist schwer zu durchschauen sind. Es wirken geistig in jedem Menschen neben den ihn fördernden auch die ihn hemmen-

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den Wesen und Kräfte, ob er dies bemerkt oder nicht. Wer sie als nicht-existent betrachtet und verneint, schafft sie dadurch nicht aus sich oder aus der Welt heraus. Auf ihn paßt das Goethe-Wort: «Den Teufel spürt das Völkchen nie, und wenn er sie beim Kragen hätte» (Faust I, Auerbachs Keller)! Von entscheidender Bedeutung ist es, die Widersachermächte in ihrem Wesen zu erkennen, denn sie erkennen heißt schon, ihnen einen Teil ihrer Wirkensmösglich- keit auf sich zu entwenden. - Verbindet sich der Mensch bewußt mit den Christus-Kräften, so vermag er sich immer besser gegen- über den inneren Widersachern zu behaupten. Indem er ihnen im- mer weniger unterliegt, kann er aus seiner seelisch-geistigen Kraft in bewußter Lebensführung das Gute in sich wachsen und erstarken lassen.

Das Überwinden des Bösen und das Erstarken des Guten im Seeleninnern bezeichnen wir als Vervollkommnung des eigenen Wesens. Dieses ist es, was als Strebensziel für jeden einzelnen und für die Menschheit im allgemeinen letztlich anerkannt werden muß. Die christlichen Hauptkonfessionen sehen darin allerdings eine Art von Hochmut und konstruieren einen Gegensatz zur Heilsbotschaft der christlichen Erlösung. Doch ein solcher Gegensatz besteht in Wahrheit nicht. Als hochmütig und bequem muß vielmehr gelten, das Heil und die Erlösung völlig ohne eigene Anstrengung erlangen zu wollen. So führt das eigene Vervollkommnungsstreben, im rech- ten Sinne aufgefaßt, denn auch nicht zur egoistischen Absonderung, sondern zum Arbeiten an sich selbst auch um der Menschheit wil- len. Je mehr der einzelne in der Verwirklichung des Guten für sich erreicht hat, desto besser ist es auch für die Gesamtheit, denn der wahrhaft zum Guten Hindurchgedrungene wird, soviel als nur in seinen Kräften steht, von dem Errungenen seinen Mitmenschen mitteilen.

Der Verfasser ist sich bewußt, daß er hohe Ideale anspricht, denen man sich zunächst vielleicht nur zu nähern, die man aber noch nicht zu erfüllen vermag. Dennoch müssen die Ideale ausge- sprochen und ins Bewußtsein gefaßt werden, wenn sie jemals er- reicht werden sollen. Man hat zu bedenken, daß die Wesensläute- rung und Vervollkommnung des Menschen ein sehr langsamer Prozeß ist, der sich für den einzelnen über viele Inkarnationen und für die Menschheit über lange Evolutionszeiten erstreckt. - Wichtig

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ist, sich auf den Weg zu begeben! Das Ziel einstmals erreichen wird, wer im Sinne Goethes «immer strebend sich bemüht» (Faust II, letzte Szene).

Eine Menschheit, die kein Bewußtsein mehr besitzt von solchen Entwicklungszielen, eine Menschheit, die ihren Sinn ausschließlich auf das Materielle richtet und für das Geistige keine Wahrneh- mungsorgane entwickelt, fällt auch in ihren Sozialverhältnissen immer stärker in den Niedergang. Die unausweichliche Folge der ins Soziale übertragenen materialistischen Weltauffassung muß es sein, daß ein jeder einzig seine eigenen Interessen egoistisch vertritt und sie nach Maßgabe seiner politischen oder wirtschaftlichen Macht (oder der Kombination von beidem) durchzusetzen trachtet. Das muß mit Notwendigkeit zu einer immer weitergehenden Chao- tisierung des sozialen Lebens führen. - Nur die Anerkennung der wahren menschlichen und menschheitlichen Geistesziele wird einen Wiederaufstieg der Kultur und damit einen Fortschritt der sozialen Ordnung einleiten.

Aus einer solchen Betrachtung kann sich uns eine Antwort er- geben auf die Frage nach dem Sinn und Ziel der menschlichen irdi- schen Existenz. Dieser liegt eine geistig-moralische Weltordnung zugrunde. Die Tatsache, daß im Menschen gute und böse Kräfte wirken, führt dazu, daß dem Menschen Freiheit gegeben ist. Die natürliche Weltordnung, das ist die materielle und biologische Weltgesetzlichkeit, unterstellt den Menschen der Notwendigkeit. Im Bereiche der moralischen Weltordnung kann der Mensch Freiheit finden, in der Welt der Naturgesetze nicht. Suchen wir nach dem, was Sinn und Inhalt der menschlichen Existenz ist: wir finden es, wenn wir uns vergegenwärtigen, was durch das Christus-Wesen über die Naturnotwendigkeit hinaus in die Menschheit hineingetra- gen worden ist. Es ist dies die Liebe in ihrer geistigen, selbstlosen Ausgestaltung. Durch den Impuls der Nächstenliebe, durch das Beispiel seines Erdenwandels und durch sein Sich-Verbinden mit der weiteren Erdenevolution hat der Christus der Erdenmenschheit ihren wahren Sinn und Inhalt eingegeben: die freie geistig-sittliche Höherentwicklung zu immer vollkommenerer, das ist christus-ähn- licherer Liebe. Diese Liebe ist selbst jene hohe moralisch-sittliche Kraft, von der gesagt wurde (Seite 18), daß sie die Keimkraft einer zukünftigen menschheitsverbundenen Naturordnung ist.

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Aus solchen Anschauungen und der dazu notwendigen Vertie- fung in die entsprechenden anthroposophischen Inhalte kann Wesentliches für die Behandlung unseres Hauptthemas, der sozialen Frage, gewonnen werden.

  1. Kapitel

DIE WESENSGLIEDER DES MENSCHEN

Eine ausführliche Darstellung des Menschenwesens aus anthro- posophischer Erkenntnis findet sich in der «Geheimwissenschaft im Umriß»? und in der «Theosophie»*. Der Leser, der sich genauer orientieren möchte, sei auf diese Hauptwerke Rudolf Steiners ver- wiesen. Hier sollen die Hauptaspekte der Gliederung des Men- schenwesens, insbesondere der Dreigliederungsaspekt, daraus wie- dergegeben werden, denn die Kenntnis derselben bildet eine Vor- aussetzung für das Verständnis des folgenden Kapitels und auch von manchem anderem, was in dieser Schrift zur sozialen Frage vorzubringen ist.

Die anthroposophische Geisteswissenschaft stellt den Menschen gesamthaft als ein dreigliedriges Wesen dar, bestehend aus Geist, Seele und Leib. Sie verfolgt die Entstehung des Menschen im Gesamtzusammenhang der irdisch-kosmischen Evolution. Hierauf ist hier nicht im einzelnen einzugehen, sondern es sollen nur die Wesensglieder selbst kurz beschrieben werden. Die drei Grund- glieder sind ihrerseits wiederum dreifach gegliedert.

Das Leibeswesen des Menschen besteht zunächst aus dem phy- sischen Leib. Er umfaßt das, was hauptsächlicher Gegenstand der naturwissenschaftlichen Betrachtungen und Untersuchungen ist und den physikalischen Gesetzmäßigkeiten der leblosen Körper unterliegt. Er ist der einzige direkt sinnlich wahrnehmbare Wesensteil des Menschen und gehört der mineralischen Welt an. Man hat von ihm zu unterscheiden, was ihn zu einem lebenden Organismus macht.

Wir können feststellen, daß unser physischer Leib die gestaltete Menschenform nach dem Tode sehr bald verliert: er verwest. Wird er allein den physischen Kräften überlassen, so ist er den die Form auflösenden Tendenzen der Erdensubstanzen unterworfen. Im lebenden Organismus ist also etwas vorhanden, was diesen vom leblosen Mineral unterscheidet, etwas, das über das Physische hin- ausgeht und nicht als physischer Körper gelten kann. Dasjenige, was bei jedem Lebewesen, also auch beim Tier und bei der Pflanze, dem Zerfall des Leibes entgegenwirkt und das eigentliche Leben

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Flo Mi., 30.10.2019 - 10:31
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